Awareness

Einführung: Warum ein Awareness Konzept für die Vollversammlung „Stadt, Land, Queer“?

Als Organisator*innen der Vollversammlung sehen wir unsere Verantwortung darin, einen Raum zu ermöglichen, in dem wir respektvoll und solidarisch miteinander umgehen.

Diesem Anspruch können wir nur gerecht werden, indem wir Standards setzen, gemeinsam an deren Umsetzung arbeiten und Fehlverhalten aufarbeiten. Statt also unseren Anspruch als gegeben zu formulieren, setzen wir durch dieses Awareness-Konzept einen Rahmen, um Diskriminierungen abzubauen und Handlungsempfehlungen zu standardisieren. Die formulierten Ansprüche stellen wir nicht nur an die Teilnehmenden der Vollversammlung, sondern auch an alle Organisator*innen.

Was ist Awareness?

Für uns bedeutet Awareness, zu verschiedenen Diskriminierungs- und Herrschaftsverhältnissen so gut wie möglich sensibilisiert zu sein, um dadurch grenzüberschreitendem Verhalten angemessen begegnen zu können und gleichzeitig Betroffene zu unterstützen. Für uns bedeutet Awareness, dass es eine kollektive Verantwortungsübernahme gibt, um diskriminierungssensible Räume schaffen zu können. Das bedeutet auch, dass nicht nur die Organisator*innen der Vollversammlung dafür Verantwortung tragen, dass das Awareness-Konzept in der Praxis gelebt wird, sondern auch alle Teilnehmenden. Awareness kann dabei nur auf Grundlage von Konsens, Definitionsmacht und Parteilichkeit stattfinden.

Konsensprinzip

Individuelle Grenzen werden in unseren Räumlichkeiten akzeptiert und respektiert. Mit anderen Worten: „Nein heißt Nein“ und „Ja heißt Ja“.

Definitionsmacht

Definitionsmacht bedeutet für uns, dass eine betroffene Person selbst definiert, welche Form von Diskriminierung, Grenzüberschreitung und Gewalt erlebt wurde.

Dennoch lehnen wir binäres Denken auch im Kontext von Betroffenheiten ab und wissen, dass mehrere und unterschiedliche Betroffenheiten aus einer Situation resultieren können.

Wir nehmen die Gefühle, Eindrücke und Bedürfnisse von Personen, die von Diskriminierung negativ betroffen sind, ernst. Das bedeutet, dass erlebte Diskriminierung, Grenzüberschreitung und Gewalt nicht in Frage gestellt wird. Wir versuchen, den Umgang mit akuten Betroffenheiten nach den Bedürfnissen der betroffenen Person(en) zu gestalten.

Parteilichkeit

Für die Awareness-Arbeit gilt das Prinzip der Parteilichkeit. Für uns bedeutet Parteilichkeit, dass wir die Person solidarisch unterstützen, die gewaltvolles Verhalten o.ä. erlebt hat und der Person ermöglichen, eigene Bedürfnisse in Bezug auf den Umgang mit der Situation auszusprechen. Dazu gehört auch, dass wir eine Grenzüberschreitung der betroffenen Person als solche anerkennen und ihre Wahrnehmung nicht in Frage stellen.

Bedürfnisorientiert

Die Arbeit orientiert sich an den Bedürfnissen der betroffenen Person und sollte nicht auf eine Rekonstruktion des Geschehenen abzielen.

Awareness während der Vollversammlung

Wie anfangs angeführt, bedeutet Awareness-Arbeit eine kollektive Verantwortungsübernahme. Dafür wird es ein Awareness-Team aus Personen geben, die auf der Veranstaltung sichtbar und ansprechbar sein werden. Zudem existiert ein separater Awareness-Raum. Die nachfolgenden Punkte betrachten wir als Handlungsempfehlungen für alle Personen, die an der Vollversammlung teilnehmen.

(1) Allgemein

Pronomen:

Das äußere Erscheinungsbild sagt nichts über die Geschlechtsidentität einer Person aus. Bitte achtet auf Namen und Pronomen, die alle Teilnehmenden sichtbar auf ihren Namensschildern tragen.

Wenn ihr in Situationen kommt, in denen ihr euch unwohl fühlt, Diskriminierung oder Gewalt erlebt oder beobachtet, habt ihr während der gesamten Veranstaltung die Möglichkeit, das Awareness-Team anzusprechen.

Das Team kann euch in einen ruhigen Raum begleiten und da sein, falls ihr eine erste Unterstützung braucht.

Folgende Aufgaben können wir als Organisator*innen und Awareness-Team nicht übernehmen:

  • (psychologische) Krisenintervention
  • Täter*innenarbeit
  • Mittel-/langfristige emotionale & psychologische Unterstützung aufgrund von Grenzüberschreitungen oder Diskriminierungserfahrungen während der Vollversammlung

Woran ist das Awareness-Team erkennbar?

Das Awareness-Team erkennt ihr an den lila Warnwesten während der Veranstaltung.